Was, wenn Suchmaschinenoptimierung kein reines Spiel um Rankings mehr ist – sondern ein Kampf um Zitationen durch Maschinen? Willkommen in der Ära von GEO: Generative Engine Optimization.
Willkommen im Dazwischen: Sichtbarkeit in der Post-SEO-Ära
Die große Suchmaschine hat ihren Job verändert. Während SEOs jahrelang um Top-3-Rankings kämpften, um Klicks zu bekommen, passiert heute etwas anderes:
Die Antworten erscheinen direkt in der Suche. Von Google. Von Gemini. Von ChatGPT. Von Perplexity. Alle kreischen und drehen am Rad. Instagram und Linkedin werden überschwemmt von Webinaren, Whitepapern und den üblichen „Profis“ mit super secret Wissen. Richtig nice ist immer, wenn unter den Posts nur „n8n“ kommentiert wird.
Das Ziel ist nicht mehr, angeklickt zu werden – sondern genannt zu werden. Das Zitat ist so hip wie Oscar Wilde Sprüche in der Gründerzeit.
GEO – Generative Engine Optimization – bedeutet:
Du optimierst nicht für Suchende. Du optimierst für Maschinen, die antworten.
Hier kommen meine Learnings, kontextualisiert, erweitert und kommentiert. Teilweise aus einem Webinar der Haufe Akademie:
1. Meta Descriptions sind jetzt Mini-Antworten
Wer noch mit Clickbait arbeitet, hat das Spiel nicht verstanden.
KI-Systeme scannen Descriptions auf Antwortqualität: Ist die Aussage prägnant? Relevant? Strukturiert?
➤ To-Do:
- Schreibe Meta Descriptions wie Antworten auf FAQ-Fragen.
- Maximal 250 Zeichen.
- Verwende Fragesätze, wo möglich: „Wie funktioniert…?“ / „Was bedeutet…?“
2. Strukturierte Daten: Von Pflicht zu Überlebensnotwendigkeit
Strukturierte Daten (schema.org, JSON-LD) waren früher nett, heute sind sie der Eintrittspreis in die KI-Sichtbarkeit. Nur wer sauber „ausgezeichnet“ ist, wird auch eingeordnet.
➤ To-Do:
- Nutze FAQPage, HowTo, Article und Product.
- Ergänze Informationen zu Autor:innen (Name, Beruf, Organisation).
- Achte auf Aktualität und semantisch saubere Headlines.
3+4. Cloudflare blockiert Crawler – Sitemaps retten den Index
Der 4. Juli 2024 markierte einen Wendepunkt:
Cloudflare blockiert nun standardmäßig alle Crawler. Auch Gemini, Perplexity, Claude – also die Tools, die unsere Inhalte in AI-Antworten einbauen sollen.
Wenn diese Bots nicht crawlen können, landen wir nicht nur nicht im Index – wir landen in keiner Antwort.
Gleichzeitig wird die Rolle von Sitemaps neu bewertet. LLMs brauchen eine Orientierung, was „wichtig“ ist. Der strukturierte Überblick zählt mehr denn je.
➤ To-Do:
- In Google Search Console regelmäßig kontrollieren, ob Gemini / ChatGPT crawlen dürfen.
- Bei Bedarf Crawler-Zugriff manuell freischalten.
- Sitemaps regelmäßig aktualisieren und einreichen.
- Auch Sub-Sitemaps für FAQ-, Produkt- oder Glossarbereiche nutzen.
5. JavaScript = Blackbox für KI
Großer Irrtum: „Google rendert das schon.“
Mag sein. Aber Gemini, Perplexity oder Claude? Nein.
LLMs parsen HTML, aber kein JavaScript.
Content, der hinter Tabs, Dropdowns oder durch JS nachgeladen wird, existiert in deren Welt schlicht nicht.
➤ To-Do:
- JS-Inhalte serverseitig ausliefern (SSR oder prerendering).
- Wichtige Informationen in Plain HTML sichtbar machen.
- Interaktive Module indexierbar gestalten – z. B. durch strukturierte Zusammenfassungen.
6. Was ist n8n – und warum sollte ich das kennen?
n8n ist ein No-Code-Automatisierungstool, das ähnlich wie Zapier funktioniert – aber Open Source ist und sich ideal eignet, um eigene KI-Flows zu bauen:
Beispiel-Use-Cases:
- Automatischer Website-Audit via GPT + Screaming Frog
- Push von aktualisierten Seiten an Gemini über API-Signale
- Kombination aus Analytics, Search Console und Crawlingdaten für SEO Dashboards
➤ To-Do:
- n8n oder Make (Integromat) einmal durchtesten.
- Baue einfache Szenarien: z. B. „Wenn Seite aktualisiert, dann an LLM-API senden.“
7. Zitiert werden – nicht nur geklickt
Der Klick ist tot. Es lebe die Zitation.
Wenn KI-Systeme deine Website als verlässliche Quelle erkennen, wirst du eingebaut. Direkt. Ohne Umweg.
Was zählt:
- Klare Sprache
- Quellenangaben
- Relevanz für die Frage
- Strukturierter Aufbau (Frage → Antwort → Begründung)
➤ To-Do:
- Antworten klar in H2- oder H3-Strukturen setzen.
- Snippet-ähnliche Boxen bauen.
- Mit Tools wie „writesonic“ oder „NeuronWriter“ testen, was LLM-freundlich klingt.
8. E-E-A-T bleibt der Goldstandard
Auch in der AI-Search gilt: Vertrauen entsteht durch Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness.
Nur: Jetzt wird es nicht mehr nur von Google bewertet, sondern auch von GPT, Gemini und Co.
➤ To-Do:
- Autorenprofile ausbauen (LinkedIn, Website, Drittnennungen).
- Aussagen belegen (Statistiken, Quellen).
- Transparenz leben: Wer schreibt? Warum? Mit welchem Hintergrund?
9. YMYL – Your Money or Your Life
Seiten, die sich mit Geld, Gesundheit oder Recht befassen, werden unter LLMs besonders kritisch bewertet. Falschaussagen hier = Haftungsrisiko für den Anbieter.
➤ To-Do:
- Inhalte von Fachpersonen erstellen lassen (z. B. Steuerberater:innen, Jurist:innen).
- Eindeutig aufklären: „Keine Rechtsberatung“ / „Stand: Mai 2025“.
- Impressum + Datenschutz vollständig und korrekt.
10. Erwähnt werden = Backlinks 2.0
Neben klassischen Links wird für LLMs die Erwähnung als Signal immer relevanter. Ob du bei t3n zitiert wirst oder in einem Reddit-Thread – für Gemini zählt das als Relevanzsignal.
➤ To-Do:
- Aktive PR-Arbeit: Interviews, Gastbeiträge, Panel-Auftritte.
- Plattformen wie Reddit, Quora, Medium strategisch nutzen.
- Erwähnungen mit Tools wie Brand24 oder Mention überwachen.
Fazit: GEO ist kein Trend. Es ist die neue Realität.
SEO war gestern. GEO ist heute. Wer weiterhin nur für Google Search optimiert, läuft in die Irre.
Es geht nicht mehr um Klicks. Es geht darum, ob du im Gespräch der Maschinen vorkommst.
Du willst sichtbar sein? Dann schreib nicht für Menschen oder Maschinen – sondern für das, was dazwischen liegt. Das lernende System, das auswählt, was wahr und zitierfähig erscheint. Und das beginnt mit Struktur, Klarheit und Mut zur Veränderung.